Wissenschaft

Mitte des letzten Jahrhunderts wurden die zunehmende Produktion von Algen und Bakterien in Seen und Flüssen (ein als Eutrophierung bezeichneter Vorgang) und die damit verbundene Verarmung der Gewässer an Sauerstoff als ein imminentes Umweltphänomen und Gefahr für die Trinkwasserversorgung grosser Bevölkerungskreise erkannt.
Bereits anfangs des 20. Jahrhunderts wurde das Element Phosphor als wesentlicher Faktor für das verstärkte Wachstum von Algen und Bakterien vorgeschlagen. Allerdings fehlten die Methoden, um diesen Zusammenhang experimentell zu klären und gemessene Phosphor-Konzentrationen für die Zustandsbestimmung von Gewässern zu verwenden - letzteres ist wesentliche Voraussetzungen für die Planung und Durchführung von Sanierungen eutropher Gewässer.
Richard Vollenweider interessierte sich schon früh für das Wachstum von Algen und Bakterien, für welches er akkurate Messtechniken, darunter die sogenannte C-14-Methode, entwickelte und erprobte.
In seiner in den 60er Jahren für die OECD durchgeführten Eutrophierungs-Analyse bestätigte Vollenweider nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Phosphor-Konzentrationen und dem Trophiegrad von Gewässern, er schlug auch ein für die Praxis hilfreiches Gewässer-Klassifizierungssystem vor, basierend auf der total vorhandenen Phosphorkonzentration. Im Gegensatz zu früheren Studien erkannte Vollenweider, dass Gewässer als offene Systeme, mit Nährstoffeinträgen und Nährstoffabflüssen, zu betrachten sind. Darauf aufbauend gelang ihm die Entwicklung von mathematisch-biochemischen Modellen, welche Voraussagen über die totale Phosphorkonzentrationen, das zu erwartende Algen-Wachstum und die Wahrscheinlichkeit für Eutrophierung von Gewässern zuliessen.

Richard Vollenweider, Beobachtungsstation am Erken-See, Schweden, 1955.
Richard Vollenweider