Prof. Dr. Ulrich Gebhard

"Fantasien und Intuitionen in rationalen Denkprozessen?"

Dienstag, 21. November 2017

Ulrich Gebhard

Fantasien und Intuitionen haben im Alltag, in der Kunst, in mussevollen oder auch kritischen Lebenssituationen eine ausgesprochen produktive Rolle. Die Kunst  Literatur, Theater, Malerei, Musik – zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Wirklichkeit nicht nur wiedergibt, reproduziert, sondern transzendiert. Damit können tiefere und auch utopische Momente der Wirklichkeit erschlossen werden. Fantasien und Intuitionen spielen dabei ein wesentlicher Faktor.

Spielt das, was in der Kunst so produktiv sein kann, auch bei rationalen Denk- und Lernprozessen eine Rolle? Letztlich geht es dabei um die These, dass Fantasien und Intuitionen nicht nur bei ästhetischen und musischen Fächern von Bedeutung sind, sondern auch bei ganz anderen Fächern wie Chemie, Geografie, Biologie, Grammatik oder Politik. Die pädagogische Annahme ist, dass Lernprozesse dann erfolgreicher und sinnvoller sind, wenn der alltägliche, subjektivierende, intuitive Zugang zu den Phänomenen im Unterricht nicht nur geduldet, sondern zum Gegenstand ausdrücklicher Reflexion und des sozialen Austausches gemacht wird.

Gebhard ist Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der Biowissenschaften an der Universität Hamburg und forscht u. a. über die Bedeutung von unbewussten und intuitiven «Alltagsfantasien» für inhaltliche Lernprozesse, aber auch über die Frage, welche Bedeutung Naturerfahrungen (Tiere, Pflanzen, Landschaften) für seelische Entwicklung und Gesundheit haben.